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Rosseldpanoramastrasse - Karwendel

Auf der Grenze

 

Auf oder doch eher an der Grenze?

 

Die zweite Viertagestour war als eine „Auf der Grenze Tour“ geplant. Sollten wir in vier Tagen vierundzwanzig Mal eine Staatsgrenze überqueren. Die Region die wir besuchten befand sich im Raum Kufstein, Garmisch Partenkirchen und Berchtesgaden. Ja geplant war einiges und davon nahmen wir viele Eindrücke mit nach Hause.

Am Freitag dem 6. September starteten wir wie immer pünktlich zur Tour. Es war noch fast dunkel als wir um sechs Uhr fünfundvierzig Seuzach verliessen. Da die Wetterpropheten Regen angesagt hatten rüsteten wir uns vorsorglich bereits mit den Regenkleidern aus. Diesmal führte uns der Weg via Autobahn nach Gossau, quer durch das Appenzeller Land und über den Eichberg hinunter nach Oberriet. Ein kurzer Halt für die Beschaffung des notwendigen Pickerls für Österreich und schon ging es weiter via Rankweil auf das Furkajoch.

 

 

Im Nebel versunkener Panoramablick

 

Den Panoramahalt konnten wir uns ersparen, der Nebel und ein Himmel mit tiefen Wolken liessen kein in die Ferne blicken zu. So machten wir uns auf den Weg nach Damüls zum ersten Kaffeehalt. Frisch gestärkt führte uns die Routenplanung via Hochtannbergpass nach Lech zum Tankstopp und weiter über den Flexen- und Arlbergpass an Landeck vorbei Richtung Kaunerberg bis auf den Pillerpass zum Mittagshalt. Ein treuer Begleiter seit dem Kaffee war der Regen und der begleitete uns immer intensiver werdend den ganzen Tag. Nach dem Essen gut erholt führte uns die Reise weiter über den Kühtai- Sattel bis kurz vor Innsbruck zum weiteren auffüllen der Tanks von Mensch und Maschine. Ab diesem Ort mussten wir noch Kilometer gewinnen und so stachen wir an der eindrücklichen Sprungschanze vorbei ins Inntal auf die Autobahn. Der Zeitgewinn war nicht sehr gross, wie bei uns wird auch Andernorts heftig gebaut und saniert, so dass sich Stau nicht vermeiden liess. Auch beim Grenzübertritt bei Kufstein war nochmals ein wenig Geduld gefragt bis wir dann nach vierhundertvierzig Kilometern, vier Grenzüberquerungen und einer Reisezeit von zwölf Stunden mit etwas Verspätung in unserem Hotel in Schleching eintrafen. Nach gutem Nachtessen kehrte in unserer Gruppe bald Ruhe ein.

Um nochmals auf die Wetterpropheten zurück zu kommen. Dies Mal hatten sie wohl richtig geraten. Am Morgen des zweiten Tages war das Rauschen bereits beim Frühstück zu hören und so zogen wir die vom Vortag bekannten Kleider an, entschieden uns auf die verkürzte Schlechtwettertour und um acht Uhr in der Früh ging es ohne Wenn und Aber los. Ja eigentlich ist Motorradfahren eher eine Schönwetterangelegenheit und das planen von Schlechtwettertouren wohl das unübliche. Doch dies Mal war es anders und zum Vorteil aller erleichterte die Schlechtwetterplanung da improvisieren. Der Weg führte uns von Beginn weg über kurvenreiche Strassen nach Inzell zum Tankstopp und weiter nach dem sehr schön gelegenen Hintersee. Nach der Pause besuchten wir kurz Königssee bevor es an Berchtesgaden vorbei zur Geschichtsträchtigen Rossfeldpanoramastrasse ging. Am Fusse des Bergs beglichen wir die Maut und nach der Schranke konnte jeder Fahrer die Strasse so geniessen wie er es mochte.

 

 

Mautstation der Rossfeldpanoramastrasse

 

Der nächste Treffpunkt war der Scheitel der Strasse um auch den versprochenen Ausblick zu geniessen. Nichts war, genauso wie am Fusse des Bergs verdeckte uns der Nebel mit Sichtweiten unter fünfzig Metern den so bekannten Rundumblick. Dies besserte sich auch mit der längeren Mittagsrast nicht und so ging es ohne herrliche Fotos auf der Rückseite des Berges wieder hinunter. Die Rossfeldpanoramastrasse entstand zum Hauptteil in den Kriegsjahren und diente auch immer wieder als Filmkulisse, so zum Beispiel mit Harrison Ford in Indiana Jones. Sie ist in die bekannte deutsche Alpenstrasse eingegliedert. Der Rückweg führte uns nach Berchtesgaden, dann wieder über die Staatsgrenze nach Lofer in Österreich und bei Kössen zurück nach Deutschland in unser Hotel. Beim Aperitif entschieden wir gemeinsam wie unsere Ausnahmetour weitergehen sollte. Einstimmig entschieden wir für die Weiterführung wie geplant.

Ja das nasse Wetter hat auch Vorteile. Deutschland und Österreich haben auf wenigen Strassenkilometern grundverschiedene Strassenbeläge. Mit dem Motorrad ist dies eine Herausforderung. Der eine Belag hält auch bei Regen gut und kurz darauf sind ein paar Kilometer wie Schmierseife. Da war nichts mit gemütlich herumgondeln, nein, volle Konzentration war gefragt. Ja auch die Sicht wurde durch die Nässe und die kühlen Temperaturen manchmal sehr eingeschränkt und das forderte jeden einzelnen. Das positive daran, jeder lernte wieder einmal mit richtig schwierigen Verhältnissen umzugehen.

 

 

Ein selten schöner Morgen

 

Der dritte Tag brachte einen heiteren Morgen, herrlich. Das Erlebnis „grosser Ahornboden“, eine österreichische Enklave die nur von Deutschland her mit Rädern zu erreichen ist, konnte zeitig beginnen. Es hatte nichts mit Pessimismus zu tun, aber wir zogen vor dem Start bereits wieder unsere Regenbekleidung an. Der Weg führte nördlich an Kufstein vorbei bis wir nach etwa vierzig Kilometer in die Tatzelwurmstrasse einbogen. Fünfzehn Kilometer Kurve an Kurve und das bei noch fast trocknen Verhältnissen. Danach liess das gewohnte Nass nicht mehr lange auf sich warten und der Tag gestaltete sich noch übler als die vergangenen. Kurzerhand kehrten wir auf kürzestem Weg wieder in unsere Unterkunft zurück und bestritten einen gemütlichen Nachmittag im Hotel. Der Grosse Ahornboden steht nun noch für eine andere Tour oder für nächstes Mal auf dem Programm.

Bereits am Vorabend wurde alles gepackt, so konnte es in der gewohnten Montur früh morgens auf die Rückreise gehen. Der Weg führte uns wie schon gewohnt wieder nach Österreich und kurz darauf auf zurück deutsches Staatsgebiet. Vorbei an Walch-, Tegern-, Kochel- und Walchensee. Im gleichnamigen Ort erlebten wir beste Gastfreundschaft. Wenig später erreichten wir den Plansee. Der wird uns in bester Erinnerung bleiben, der Regen machte Pause und wir schossen sofort ein Schönwettergruppenfoto.

 

 

Die Sonne scheint, bitte lächeln

 

Nur bis wir bereit waren, war die Sonne schon wieder weg und die Schleusen öffneten sich bald wieder. Weiter immer weiter gegen Westen da soll es schön sein. Und wirklich, beim Tankstopp in der Nähe von Immenstadt lachte doch noch einmal die Sonne vom Himmel. Versöhnlich aber auf schnellstem Weg fuhren wir ohne Regenbekleidung via Bregenz, Dornbirn und Sankt Gallen wieder nach Seuzach zurück.

Fazit zum Schluss, es war eine Tour auf der Grenze, haben wir trotz diversen Änderungen sechzehn Mal eine Landesgrenze überquert. Doch war es auch eine Tour an der Grenze, nur dank der Disziplin aller Beteiligten konnten wir das Viertagesprojekt erfolgreich abschliessen. Trotz misslichem Wetter haben wir vieles erlebt, viel gelacht und gemeinsam die Geselligkeit genossen. Also eine herrliche 4-tages Tour.

 

Jürg Flacher

 
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